Über Azawakhs aus Afrika. Ein Briefwechsel …

 

>Silverdale< fühlt sich seit gut zwei Jahrzehnten dem Fortleben der originären Windhunde der Tamaschek-Nomaden verpflichtet: Durch gezielte Projekte im Sahel (A.B.I.S.) und vor allem mit dem Versuch, durch Importe aus der Ursprungsregion ein genetisches Fundament für die hiesige Weiterzucht dieser historischen Rasse aufbauen zu helfen. Unsere Website berichtet ausführlich von diesem Bemühen. Es hat natürlich auch seine Gegner in der „Szene“ gefunden und deren Argumente sollten fairerweise dokumentiert werden. Dies hatte leider mangels eines offen betriebenen Diskurses seine Schwierigkeiten. Umso mehr begrüße ich den kürzlich eingelangten Brief unseres Hauptkritikers, Dr. med. Ulrich Hochgesand aus der Azawakh-Zuchtstätte Aulad als Sahra’s.  Ich möchte ihn den Besuchern unserer Website zusammen mit meinen Bemerkungen für eine Meinungsbildung zur Verfügung stellen.

W.R.                                                                                                                                                 München, 26. Juli 2009

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand,
mit den nachfolgenden Bemerkungen möchte ich Ihre e-Mail vom 20.Juli 2009 beantworten. Um allen Empfängern die Mühe zu ersparen, Ihr Schreiben erneut in die Hand zu nehmen, habe ich mir erlaubt, meine Erwiderungen an den einschlägigen Stellen Ihres Briefes einzuschieben. 

 Sehr  geehrter  Herr  Dr. Röder,

als  Empfänger  Ihres  Schreiben im Verteiler erlaube ich  es mir,  zumal ich dort  namentlich  erwähnt  bin,  ein Kommentar zu Ihrer „Richtervertrauensmann-Schelte“ abzugeben.
Ohne  nun im Detail  die  verbandsinternen  Abläufe  zu  kennen, zeigt Ihr  Schreiben nun einmal  mehr,  dass Sie  die  eigentliche  Intention  von Herrn  Fischer nicht  verstehen wollen  und Ursache  und Wirkung miteinander  verwechseln.
Es  ist nun einmal  Tatsache,  dass unter Ihrer maßgeblichen Mitwirkung  in  der  Vergangenheit Importhunde   aus  Burkina Faso und Mali  unter dem Vorwand einer notwendigen Blutauffrischung  und  mit Hilfe  gutgläubiger  Richter  in das  Azawakh-Zuchtbuch  des DWZRV aufgenommen  wurden, die ­­­­eindeutig nicht dem gültigen FCI  Standard entsprochen haben. Erst mit deren Erscheinen   kam es zu der von Herrn Fischer  zu  Recht kritisierten Diskrepanz  von gültigem Standard und rasseuntypischen Azawakh.
Diese Situation wurde  von Ihnen mit  der massenhaften Zuführung  von Hunden  bewusst eingeleitet, wiewohl anzunehmen ist, dass Sie den  Tatbestand der Mithilfe zum Verstoß  gegen die bestehende Zucht- und  Richterordnung bewusst billigend  in Kauf 
genommen  haben. 

 Sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand,

die Ihren Brief einleitende Polemik gibt Ihr allseits bekanntes  Meinungsbild wieder und ist in dieser Form ebenso unproduktiv wie überflüssig. Lassen Sie uns stattdessen konkret werden: Sie gehen also auch heutzutage noch davon aus, dass die Nachkommenschaft der französischen Azawakh-Gründungsgruppe in Europa einer „Blutauffrischung“ durch weitere Importe aus der Ursprungsregion nicht bedarf und über ein  ausreichendes genetisches Potential für weitere hermetische Vermehrung verfügt. Als Mediziner wird Ihnen zumindest ein Teil des umfangreichen akademischen Schrifttums bekannt sein, das dieser Ihrer Annahme zuwiderläuft. Es wäre  nützlich gewesen, wenn Sie an dieser Stelle dargelegt hätten, mit welchen Begründungen Sie den zeitgenössischen Forschungsstand offenbar als unsinnig einschätzen, wenn Sie eine Erweiterung der genetischen Ressourcen als „Vorwand“ bezeichnen.  Für mich bringt der >Dortmunder Appell< vom Juni 2009 (www.dortmunder-appell.de) die Sache auf den Punkt:  Das Problem der Inzucht, Engzucht oder Linienzucht wird sehenden Auges in weiten Teilen der Rassehundezucht ignoriert oder verniedlicht. Dabei ist die Gefährlichkeit von Inzucht für das Risiko von Erbkrankheiten, für die Widerstandskraft, Vitalität und Lebenserwartung aller Säugetiere wissenschaftlich eindeutig geklärt. Inzucht ist als Tierquälerei anzusehen, die auf Dauer ganze Populationen erfasst. Für alle Rassen müssen Regeln aufgestellt werden, die in Zukunft genetische Vielfalt fördern und sichern…“.  
Mit Ihrer Sichtweise bewegen Sie sich nicht nur außerhalb des allgemeinen kynologischen Erkenntnisstands.  Sie schieben damit auch zuchtbezogene  Grundsätze und Zielvorgaben unseres Verbands und des VDH beiseite. Erinnerlich sind Ihnen gewiss die öffentlichen Stellungnahmen der DWZRV-Zuchtleiter, die auf die Folgen fortgesetzter Ahnenverluste hinweisen  und der  genetischen Variabilität als Voraussetzung einer gesunden   Rassenentwicklung das Wort reden. Ich zitiere hier nur den studierten Biologen und vormaligen Zuchtleiter Dr. Erich Zimmermann: >Wenn bisher keine größeren feststellbaren Mängel durch Inzuchtdepression aufgetreten sind, so können wir nur unser Glück dafür verantwortlich machen. Um aber die Fitness, das heißt Widerstandsfähigkeit, Leistung und Lebensdauer unserer Hunde zu erhalten, muss der zunehmenden genetischen Vereinheitlichung, der Homozygotie, Einhalt geboten werden. Denn es ist bekannt und jeder Genetiker wird es bestätigen, dass zwischen Heterozygotie (Mischerbigkeit) und Fitness ein Zusammenhang besteht. Und hier sieht der DWZRV die Funktion der Azawakh-Importe. Ihre Einkreuzung mag vielleicht zunächst einige Rückschläge im Typ mit sich bringen, aber sie sichert langfristig eine breitere Zuchtbasis und damit die Gesundheit der Rasse<. 
Aufmerksam machen sollte ich Sie wohl auf die jüngsten Warnungen aus dem VDH (z.B. in UR 2/2008 oder in der SV-Zeitung 7/2007). Selbst die von Ihnen so hoch geschätzte SLAG hat im Juli 2002 festgestellt, dass der französische Azawakhbestand durch Inzucht gefährdet und eine „Blutauffrischung“ dringend notwendig sei. Wenn Sie, sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand, in eine Diskussion mit der Mehrheit der Azawakhzüchter und –besitzer  eintreten möchten, wäre zunächst Ihre klare Positionierung in Bezug auf die von der Populationsgenetik aufgeworfenen Fragen zur Zukunft der Rassehundezucht angesagt. Erst dann macht es überhaupt Sinn, über Importe aus Ursprungsländern der orientalisch-afrikanischen Windhundrassen eine seriöse  Auseinandersetzung zu führen.
Im übrigen tun Sie mir mit dem Vorwurf einer „massenhaften Zuführung“ von Azawakhimporten wirklich zu viel Ehre an. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten hat „of Silverdale“ fünf Azawakhs aus dem Ursprungsgebiet aufgenommen und davon drei zur Zucht eingesetzt. Darüber hinaus zähle ich noch mindestens fünfzehn andere Windhundleute, die  – nicht selten bei mehreren Afrikafahrten - aus eigener Initiative Azawakhnachwuchs für sich erworben haben. Ein Gutteil hiervon ist in der Tat bei Gelegenheit von ABIS-Expeditionen importiert worden.  Wenn Sie mir das Verdienst an diesen Erkundungsreisen zuschreiben, ist dies zwar schmeichelhaft, lässt aber das Engagement einer Vielzahl von Azawakhfreunden  im In- und Ausland außen vor.  Nebenbei bemerkt: Es ist wirklich schade, dass gerade Sie als einer der frühesten deutschen „Sloughi-Azawakh“ - Züchter darauf verzichtet haben, sich im Ursprungsgebiet der Rasse Kenntnisse aus erster Hand zu erwerben. Verzeihen Sie bitte diesen Exkurs. Ich weiß ja, dass Ihr Interesse zuvörderst der „Standardpflege“ in Deutschland und nicht der Naturgeschichte der Rasse gilt.      

Die damals und  heute  gültige  Zuchtrichter-Ordnung  des  DWZRV schreibt in § 5  

Absatz 1:  Generelle  Pflichten des Zuchtrichters  : In  den Ländern  der FCI hat  der  Zuchtrichter die  Bewertung der  Hunde ausschließlich   Jahre nach dem bei  der  FCI gültigen Standard vorzunehmen. 

Absatz 8: Die  Beurteilung der  Hunde in Verbindung  mit  Zuchtzulassungen ist ebenfalls streng gemäß Abs .1  vorzunehmen.
Die  längst  überfällige Initiative  Herrn  Fischers ist daher  als  der Versuch einer Korrektur

der  in der  Vergangenheit  gemachten Fehler  zu  werten,  um auch in Zukunft  den  Vorschriften  der  FCI  Nachdruck  zu  verleihen.
Sie  selbst waren auf der  Richtertagung  2006  persönlich  anwesend,  als  Herr Fischer  in seiner  Einleitung  zur  Debatte darauf hinwies, dass er als VDH- Richter  ein Schreiben  der FCI   erhalten habe, in dem  das  französische  Mitglied der FCI  auf  die  Einhaltung der im Standard niedergelegten Farben drängte.

Sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand, nur als Nebenbemerkung:  Dieses von Herrn Fischer bei der FCI bestellte Schreiben wurde auf der Tagung nicht verlesen. Aus gutem Grund. Der blamable Inhalt der SCC-Stellungnahme ist auf der Internetseite www.arbeitskreis-azawakh.com / Überlebensprobleme außerhalb Afrikas / zu finden. Die auf dieser Website gesammelten Beiträge aus den Jahren bis 2005 beschäftigen sich auch mit den von Ihnen hier erneut vorgetragenen Streitpunkten.  Es ist bedauerlich, dass Sie sich zur damaligen Zeit einer sachlich fundierten Auseinander-  setzung mit den Positionen des Arbeitskreises verweigert haben. 
Ihm nun zu unterstellen, er wolle den Richtern im DWZRV  mit seinen „ Ausführungen zum Standard“ einen  „Maulkorb“ verpassen , ist völlig abwegig und entspringt Ihrer Uneinsichtigkeit  in bestehendes  Zuchtrecht. Alle  Importe, auch Afghanen,  Salukis etc. haben sich  den Forderungen  der  FCI - Standards zu unterwerfen. Ein  Sonderrecht für Azawakh-.Importe gibt es  nicht!
Die  Visualisierungen  des  Standardtextes  mittels Farbskizzen  und  Ausführungen der anatomischen Proportionen  von Kopf und Rumpf sind – so sehe ich das-  lediglich als Orientierungshilfen  für die Richter  gedacht  und  sind  völlig  standardkonform.
Ganz anders  Ihre  Sichtweise  der  Dinge. Sie möchten  die Handlungsweise Herrn Fischers als einen von der Satzung  nicht  legitimierten Akt darstellen und ihrerseits  Herrn Fischer einen  „Maulkorb“ aufsetzen.   Wem Anderen  als  den  Organen  des  DWZRV  kann die   „Ausdeutung  des  Standards“  überlassen  werden.  Etwa Ihnen und  den Mitgliedern der ABIS ?  Woher nehmen Sie sich das  Recht,   den Standard  als „ mittlerweile historisch oder in Teilen unklare Rassebeschreibung“  abzuqualifizieren?   Woher nehmen Sie für  sich den Anspruch,    die  Zuchtziele des FCI- Standard in eigener  kynologischer  Verantwortlichkeit sinnvoll  umsetzen“  zu  können, während  Sie  der   französischen  SLAG  keine  Mitwirkung in der  Standardgestaltung  zubilligen .Immerhin ist  die SLAG  die  nationale Vertretung der Azawakh-Rasse bei  der  SCC und   hat entscheidend an der  Entstehung  des  Azawakh-Standards  mitgewirkt. So wenig, wie Sie der SLAG einen Autoritätsanspruch zubilligen  wollen,  so wenig haben  Sie den  Anspruch auf eine  eigene Interpretation  des  Standards.  Ihre  ABIS – Organisation hat ihren  Vereinssitz  in Burkino-Faso und vertritt bei uns nur das  Interesse  von Privatpersonen. Sie  trotzdem als ein „  azawakh- politisches  Druckmittel „  in der  Diskussion  im  DWZRV zu  verwenden, steht ihr  nicht  zu. Die  immer  wieder  gebetsmühlenartig erhobenen Forderungen nach  „ notwendigen Korrekturen des  Azawakh-Standards“  werden auch durch ständiges Wiederholen  nicht  richtiger.

Sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand, folgen wir doch auch hier ganz einfach den Fakten: Wie wir alle wissen, beruht  die Existenz der FCI auf der Vereinbarung, dass die von ihren  Mitgliedsorganisationen hinterlegten Rassebeschreibungen „Eigentum“ des jeweiligen nationalen Zuchtverbands bleiben und nur auf dessen Initiative hin verändert werden dürfen.  Satzungsgemäße Pflichtaufgabe der FCI ist es, ihren Mitgliedern die gegenseitige Beachtung ihrer Standards aufzuerlegen. Diese Regelung  – und ebenso die Anerkennung der nationalen Ahnentafeln durch alle mit der FCI verbundenen Zuchtverbände – hat die Kooperation und den Austausch im Rahmen eines internationalen >Hundewesens< erst möglich gemacht. Es kann  nicht der geringste Zweifel daran bestehen, dass jeder, der unter dem Dach der FCI Hundezucht betreiben möchte oder Vereinsämter ausübt, die derzeitigen  Rassestandards als wegweisende Dokumente zu akzeptieren hat. Ganz gleichgültig, ob sie in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder erst vor dreißig Jahren von  damaligen Interessenten niedergeschrieben worden sind. In Bezug auf die internationale Geltungskraft der FCI-Standards dreschen Sie also leeres Stroh. Entgangen ist Ihnen dabei, dass nicht nur bei Hundefreunden mit  kritischem Kulturverständnis, sondern mittlerweile auch unter Traditionalisten des organisierten >Hundewesens<  die Einsicht besteht, dass eine wortgenaue Anwendung oder eine  übertypisierende  Umsetzung  optischer Attribute in historischen Standardtexten (was haben Sie denn gegen diese Bezeichnung?) manchen Rassen erheblichen Schaden zufügen kann und bereits zugefügt hat. Ich verzichte auf eine Aufzählung der Qualzuchtformen, die unter dem Regime von FCI-Standards ungehindert entstanden sind und zunächst von den Zeitgenossen  als ästhetische Fortschritte bei der „Verbesserung der Rassen“ missverstanden wurden.
Auch Uwe Fischer bekennt sich inzwischen zu der Notwendigkeit, den Azawakh-Standard der SCC (allein letztere ist die „Eigentümerin“, nicht der Windhundverein SLAG) für die Praxis  der nationalen Zuchtorganisationen zu relativieren: >
Nun sind Standards nicht in allen Detailbeschreibungen absolut präzise. Das trifft auch für die Rassekennzeichen des Azawakhs zu, im Rahmen derer unter anderem die Ausdehnung der Weißzeichnung nicht eindeutig spezifiziert ist. So ist es Aufgabe der Richter, diesen Bereich mit viel Fingerspitzengefühl einzuschätzen. Man sollte die Diskussion jedoch niemals nur auf die Problematik des Haarkleides in punkto Farbe und Abzeichen allein beschränken, da, um der geringen Population der Rasse Rechnung zu tragen, Standardforderungen auf geeignete Art und Weise und insgesamt relativ großzügig interpretiert werden müssen.<
In Nr.61/2005 des „Bulletin du SLAG“ ist zu lesen: >Der Standard gibt nicht genau die Grenzen der erlaubten Weißausdehnung an, so dass sie bis heute von der persönlichen Wertschätzung des Richters bestimmt werden… Bei der  Versammlung in Aubervillers am 29.11.2003 hat das Komitee beschlossen, versuchsweise Azawakh-Windhunde zuzulassen, die nicht das vom Standard geforderte Weiß haben …“  Sie selbst, sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand, waren  – berechtigterweise! – auch von keinerlei Standardskrupeln geplagt, als Sie sich mit Aulad al Sahra’s A’Sekkebar oder Aulad al Sahra’s N’Toboro, beide reichlich mit weißen Farbanteilen gesegnet, erfolgreich um Welt-, Europa- und Bundessiegertitel  beworben haben. Züchter, Besitzer, Richter und Windhundverbände aus FCI-Ländern in unserer europäischen Nachbarschaft haben mit ihrer gesunden pragmatischen Sicht  für die  deutsche „Standard-Scharia“ sowieso nur Kopfschütteln übrig.

Fassen wir also zusammen:
Einzelne Vorgaben in FCI-Standardtexten haben sich als korrektur- bzw. definitionsbedürftig erwiesen.  
Die kynologisch dringlichen Änderungen scheitern jedoch an der Konstruktion der  FCI als >Hunde-UNO< und an  verbandspolitischen Sonderinteressen von nationalen Standardeigentümern.
Für alle, die sich nicht auf einen quasi evangelikalen Glauben an sämtliche Buchstaben der Standardüberlieferungen im gerade aktuellen Interesse ihrer Zuchtlinien und zum Schaden der ganzen Rasse zurückziehen wollen, ist dies ein geradezu verpflichtender  Anlass, über die  Interpretation einzelner  Standardtexte und über eine Richterpraxis zum Wohl  künftiger Populationen nachzudenken.
Insofern sind der Kommentar von Herrn Fischer oder die  Verlautbarungen von Frau Schwerm-Hahne in vorherigen Jahren, die Vorstellungen von SLAG, Ihre eigenen Ansichten (etwa zu der nach Ihrer Meinung schädlichen Zulassung der  Stromung) ebenso wie die von Ihnen vermuteten, aber gar nicht existierenden  Standardalternativen von ABIS (diese kümmert sich lediglich um die Beschreibung der tatsächlichen Ursprungspopulation) und, wenn Sie so wollen, meine persönlichen Reformvorschläge und die zahlreicher anderer Azawakhleute allesamt freie Beiträge zu einer kynologischen Diskussion. Denn die „Auslegungshoheit“  in Bezug auf den Standard  fällt  nicht, wie Sie meinen, den „Organen des DWZRV“ zu, sondern allein dem  Patenverband SCC. Und dies auch nur für den Fall, dass sich die SCC entschließen sollte, Unklarheiten oder Interpretationsbedarf  durch offizielle Textänderungen in der FCI-Rassebeschreibung zu beseitigen.  

 

Damit kommen wir schließlich zum Kern des aktuellen Konflikts – den Fall Uwe Fischer.

Herr Fischer hat in den zurückliegenden Jahren mit teilweisem Erfolg versucht, sich innerhalb des DWZRV die Auslegungshoheit über den Azawakhstandard  anzueignen und gegenüber  Richterinnen und Richtern mit autoritären Mitteln durchzusetzen. Inzwischen steht nach Auskunft unserer  Präsidentin fest, dass Herr Fischer damit die Grenzen seiner Amtsbefugnisse überschritten hat (siehe Dokumentation des Briefwechsels bei www.arbeitskreis-azawakh.com). Ziel dieses unumgänglich gewordenen Klärungsprozesses ist es nicht, Herrn Fischer oder einer anderen Diskussionspartei einen „Maulkorb“ aufzusetzen. sondern die Wiederherstellung der Richterautonomie in Bezug auf die unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten des Standards.  Über deren Aspekte kann und sollte öffentlich geredet oder auch gestritten werden.

Aber:  Die Umsetzung des Standards im Ausstellungsring mit  Auswirkungen auf das künftige Zuchtgeschehen ist allein Sache des jeweils amtierenden Richters. Handlungsanweisungen und Bewertungsvorgaben durch den Richtervertrauensmann, den Verbandsvorstand oder allfällig selbsternannte Autoritäten vertragen sich nicht mit den Satzungen unseres Verbands. Eine Gleichschaltung der Richterschaft durch die Verpflichtung auf das fehlbare oder parteiliche Meinungsbild einzelner Verbandsfunktio- näre oder gar die Interessen einzelner Zuchtstätten darf es nicht geben.     

Der Azawakh-Windhund  ist das Vermächtnis  Ihrer traditionellen Züchter  aus dem Azawakhtal und den angrenzenden Regionen.
Ja, sehr geehrter Herr Dr. Hochgesand, in der Tat! Allerdings ist es  ermüdend, Sie immer und immer wieder und bisher ohne jeglichen Erfolg darum zu bitten, die Legende von den einzig „echten“  Azawakhs der französischen Gründungsgruppe  nachvollziehbar zu machen. So warten wir nach wie vor auf die Zugänglichkeit von zeitgenössischen Reiseberichten und der fotografischen Dokumentation des damals vorgefundenen Hundebestands, auf eventuelle Quellen aus bisher unentdeckter wissenschaftlicher Literatur oder auf die Namen der Clan-Chefs und die Benennung der Standquartiere mit ihren einheimischen Bezeichnungen; wir würden ergebnisoffen versuchen, solchen Spuren vor Ort nachzugehen. Nur so könnten Sie den Anspruch auf das  „Vermächtnis“ einer elitären und angeblich exklusiv züchtenden (aber inzwischen verschwundenen) Tuareggruppe  gegen den

Verdacht in Schutz nehmen, nichts anderes zu sein als ein zweckdienliches europäisches Märchen über die Wunder des Orients. Es ist anzunehmen, dass Sie die Azawakh-Beiträge in der Verbandszeitschrift vom November 2008 gelesen haben. Ich finde, dass zum Beispiel der Aufsatz von Peter H. Sander für Sie ein Anlass hätte sein müssen, dessen Recherchen mit einer ähnlich qualitätvollen und materialreichen  Darstellung Ihrer Kenntnisse und Theorien zu begegnen. Aber vielleicht werden Sie dies in absehbarer Zeit ja noch nachholen.    
Er ist  nicht  Gegenstand  von „Schnittmengenbildungen“ und  beliebiger  Korrekturwünsche, ein Spielball für  „Designer-Hunde“. Wo kämen wir  hin,  wenn das  jede Rasse  für  sich  fordern  würde.
Der  Azawakhstandard  wird 2011  dreißig Jahre alt. Er war und ist,  nach wie  vor,  ein hervorragendes Werkzeug  für eine verantwortungsvolle  Zucht.  Seine  Änderung will, außer  Ihnen und Ihren  Gefolgsleuten niemand.
Mit  freundlichen Grüßen
Dr. Ulrich Hochgesand

Ich würde es begrüßen,  wenn wir diesen von Ihnen erstmals ermöglichten  Diskurs in Form von Sachargumenten und unter Verzicht  auf unproduktive Polemiken fortsetzen könnten, und sehe deshalb Ihrem nächsten Beitrag erwartungsvoll entgegen.

 Mit freundlichen Empfehlungen

 Werner Röder