Rasse-Portrait AZAWAKH
aus der Zeitschrift Hunde Revue 2/2003
Von Valeria Slembrouk (mit Fotos von Silverdale-Azawakhs ) 


Bilder: Slembrouk
Die Geschichte des Azawakh ist vermutlich ebenso uralt wie die anderer orientalischer Windhundrassen, deren Wurzeln man mit einiger Wahrscheinlichkeit 3000, 4000 oder sogar 5000 Jahre zurückverfolgen kann.
Geograhische Heimat
Steppen, Savannen und Halbwüsten am Südrand der Sahara, im sogenannten mittleren Nigerbecken, sind die Stammheimat des Azawakh. Dieses Gebiet hat in etwa die Größe Frankreichs und beinhaltet die Grenzregionen der Staaten Mali, Niger und Burkina Faso (früher: Obervolta). Es ist Bestandteil der Sahelzone, eines zirka 200 bis 300 km breiten Halbtrockengürtels, der sich vom Atlantischen Ozean bis zum Horn von Afrika quer über den gesamten Kontinent erstreckt. In diesem Gebiet liegt das Azawakh-Tal - ein zirka 40 km breites und mehr als 1000 km langes, schon vor langer Zeit ausgetrocknetes Flussbett (Wadi). Den Namen dieses Tals wählte man in Europa als Rassebezeichnung, nachdem ein französischer Ethnologe berichtet hatte, dass hier die typischsten Vertreter dieser Rasse vorkämen.
In den Sahelgebieten östlich und westlich des Nigerflusses, in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde, wo sich unendlich weite Sand- und Geröllfelder bis zum Ende des Horizonts dehnen, wo in der gnadenlos herabbrennenden Sonne nur noch spärliches Büschelgras, halbhohe Bäume und Sträucher gedeihen, wo Mensch und Tier tagtäglich einem unerbittlichen Überlebenskampf gegen die karge Umwelt ausgeliefert sind - dort ist die Heimat, die Wiege des Azawakh. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass gerade die Trockengebiete die schönsten, edelsten und anmutigsten Geschöpfe dieser Erde hervorgebracht haben, die wir im Tierreich kennen: Vollblutaraber- und Achal Tekkiner Pferde, Antilopen und Gazellen, Wüsten und Steppenfüchse ebenso wie die elegantesten Vertreter unter den orientalischen Windhunden, die fast überirdisch anmutenden, fein emeißelten Azawakhs. Allen diesen "Kindern der Wüste, Steppe und Savanne" ist ein extrem windschnittiger Körperbau mit überaus edel wirkenden Proportionen zu eigen: ein fein ziselierter Kopf mit schlankem Hals und großen, ausdrucksvollen Augen, hohe, sehnige Gliedmaßen mit "trockener" Muskulatur und dünner Haut, unter der man jeden Knochen und jeden kleinsten Muskel zu sehen meint. Sie bewegen sich anmutig, leichtfüßig und graziös - federnden Tänzern gleich.
Traditionelle Besitzer
Als ursprüngliche Besitzer und Züchter des Azawakh gelten die Tuareg - jene legendären Nomaden und Krieger berberischer Abstammung, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit die westliche Zentralsahara beherrschten. Primäre Funktion der Azawakhs war es, die Herden, das Lager sowie die Frauen und Kinder beim Sammeln von Wildfrüchten vor Raubtieren und unwillkommenen Zweibeinern zu bewachen und zu schützen. Diese Aufgabe hat den Charakter der Hunde, mehr noch als der jagdliche Einsatz, geprägt.
Traditionelle Haltung und Zucht
Die Betreuung der Herden und alle Handarbeit waren Aufgabe der Leibeigenen und der von den Tuareg abhängigen Ethnien. Auch Aufzucht, Haltung, Versorgung und alltäglicher "Arbeitseinsatz" der Hunde gehörten zu ihren Dienstbarkeiten. Nach dem Niedergang der alten 'Tuareg-Hierarchie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts haben vor allem die ehemaligen Untertanen, also Bellaund Peul-Nomaden, die Tradition der Azawakh-Haltung fortgeführt. Diese orientiert sich seit eh und je an den kärglichen Lebensumständen der Menschen: Sie teilen ihre eigene Nahrung - Milch und Hirsebrei - mit den Hunden. Nur nach einer gelegentlichen Jagd auf Wildschweine oder Hasen oder dem selten vorkommenden Schlachten einer Ziege gibt es Eingeweide und Knochen für die Hunde. Kleintiere der Savanne wie Erdhörnchen und Echsen dienen ebenfalls als Aufbesserung ihrer Nahrung. Nur gelegentlich, bei Bedarf, behält man eine Hündin zur Weiterzucht. Wer sich in die Regeln des Zusammenlebens mit Mensch und Herde nicht einfügt, wird getötet. Kranke oder ihren Aufgaben nicht gewachsene Tiere finden ebenfalls schnell ein natürliches oder durch Fütterungsentzug herbeigeführtes Ende. So ist die Rasse im Ursprungsland das Resultat einer strengen, darwinistischen und am Gebrauchswert orientierten Selektion.
Die Azawakhs des Sahel stellen eine reinblütige "Landrasse" dar, die sich in diesen abgeschiedenen Regionen weitgehend unvermischt erhalten hat. An den Rändern der Wanderungs- und Siedlungsgebiete der Tuareg-, Bellaund Peul-Nomaden leben Azawakhs auch in den Dörfern bäuerlicher Volksgruppen. Noch weiter im Süden findet man dann Misch formen mit Busch- und Pariahunden, die auch in den Städten zu beobachten sind. Europäer, die die Nachricht verbreitet haben, der reinblütige Azawakh sei in Afrika so gut wie ausgestorben, sind über die gängigen Touristenrouten in Mali, Burkina Faso oder Niger offenbar nicht hinausgekommen. Nur dort werden Azawakhs gelegentlich gegen Geld angeboten. Bei den Nomaden in den Savannen gilt noch heute der traditionelle alte Grundsatz, dass ein Azawakh Welpe nur als Freundschaftsgeschenk - natürlich mit einer traditionellen Gegengabe - den Besitzer wechselt.
Einzug nach Europa
In Europa betrat der Azawakh erst gegen Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die kynologische Bühne. Zu dieser Zeit gelangten die ersten Exemplare nach Frankreich, und, wenig später, nach Jugoslawien. In beiden Ländern entstanden jeweils eigene Zuchtlinien. Als die ersten Windhunde aus der Südsahara in Frankreich auftauchten, ordnete man diese "Mali-Sloughis" rassemäßig zunächst einmal den "Maghreb-Sloughis" zu und richtete beide Rassen auf Ausstellungen nach dem gleichen Standard. Dies führte jedoch, auf Grund von Unterschieden, die nicht mit dem SloughiStandard vereinbar waren, rasch zu Widerstand und Kritik bei einem Teil der französischen Sloughi-Besitzer. Im Gegensatz zum Sloughi wiesen viele "Mali-Sloughis" leuchtend weiße Abzeichen in Form von Stiefeln, Brustfleck oder Halsstreifen bis hin zur Gesichtsblesse auf. Aber auch im Körperbau und -format gab es ins Auge springende anatomische Unterschiede. Selbst im Rennwesen waren diese nicht wegzuleugnen, zeigte sich doch, daß der "Mali-Sloughi" auf der 480-Meter-Bahn in Deutschland im Durchschnitt um drei Sekunden langsamer war als Sloughi und Saluki.
Ohne auf das Hin und Her der Entwicklung und die einzelnen Stationen und Details näher eingeben zu wollen, sei hier nur so viel erwähnt, daß die Kontroversen irgendwann damit beendet wurden, daß der "Mali-Sloughi" schlußendlich einen eigenen Standard unter dem Patronat Frankreichs erhielt. Anläßlich der Weltausstellung 1980 in Verona wurde die Trennung der beiden Rassen endgültig vollzogen, der "Sloughi-Azawakh" (so die damalige neue Bezeichnung) von der FCI als eigenständige Rasse mit eigenem Standard anerkannt. 1975 kam die erste Hündin aus Jugoslawien nach Deutschland. In den beiden Zuchstätten "El Batal" und "Aulad al Sa.hra's" begann die deutsche Azawakh-Zucht.
Derzeit fallen in Deutschland 15 bis 20 Welpen pro Jahr bei rund 10 aktiven Züchtern.


Bilder slembrouk
Exterieur
Der Azawakh begeistert das Auge des Betrachters durch die Vollkommenheit seiner Gesamterscheinung, die Schönheit seiner Linien und die Eleganz, mit der er sich bewegt.
Der Azawakh stellt die extremste Form unter allen bei uns gehaltenen Windhunden dar.
Vom Sloughi unterscheidet er sich morphologisch-anatomisch ebenso sehr wie etwa der Greyhound vom Magyar Agar oder dem Galgo Espanol. Das hochrechteckige Gebäude, der auffallend kurze und gerade Rücken, die längeren, größeren und tiefer angesetzten Ohren sowie die häufig auftretenden weißen Abzeichen (beim Sloughi verpönt) unterscheiden ihn auf den ersten Blick von seinem Vetter aus dem Maghreb. Die höheren und "steileren" Gliedmaßen, die tiefere Brust, der schmalere und flachere Schädel sowie der geradlinigere und stumpfer endende Fang sind weitere Differentialmerkmale. Insgesamt ist der Azawakh etwas kleiner, leichter und graziler gebaut und von noch ausgeprägterer"Trockenheit" der Linien als der Sloughi.
In seiner Morphologie und Anatomie, der asketischen Geometrie seiner Formen, ist der Azawakh vollkommen von seiner Heimat geprägt - geboren, um als unermüdlicher Läufer über lange Strecken, mit dem Wind um die Wette, über Steppen und Savannen zu fliegen. Windhundästhetik pur entfaltet er besonders in der Bewegung: Kopf und Hals hoch getragen, tänzelt er in leichtem, federndem Trab dahin oder schnellt mit weit ausladenden Galoppsprüngen - einer flüchtenden Gazelle gleich-schwerelos über den Boden, kaum, dass seine Füße die Erde zu berühren scheinen.
Feldempirische Studien an 709 Hunden der gegenwärtigen Sahel-Population ergaben ein Überwiegen der auch bei uns favorisierten Farben Rot, Sandfarben und Gestromt.
In Afrika findet man auch weiße Tiere mit roten oder gestromten Platten ebenso wie blaue, schwarze, braune, cremefarbene und lilafarbene Individuen.
Eigenschaften und Haltung
Die gnadenlose Selektion des Sahel hat im Azawakh einen Hund geschaffen, der sich durch äußerste physische Härte, Robustheit und Genügsamkeit auszeichnet. Azawakhs müssen bisweilen trocken-heiße Sommertemperaturen von 39 Grad Celsius und mehr ertragen und gelegentlich sogar Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Sie trotzen orkanartigen Sandstürmen ebenso wie extremer Trockenheit und Futterknappheit. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, daß sie mit zu den härtesten und zähesten Hunderassen gehören, die wir kennen und auch noch unter für uns unvorstellbar asketischen Umweltbedingungen zu überleben vermögen.
Da unter den archaischen Gegebenheiten ihrer Heimat Wachsamkeit, Skepsis und instinktives Mißtrauen allem Fremden und Unbekannten gegenüber häufig lebenserhaltend sind, ist auch heute noch das Wesen der meisten Azawakhs gekennzeichnet durch eine geradezu vornehme Zurückhaltung und Reserviertheit Fremdem und Neuem gegenüber. Ein Azawakh ist jedenfalls kein Hund, den man leicht stehlen könnte. Er tendiert dazu, sich auf eine oder mehrere Bezugsperson(en) zu fixieren - und dies oftmals mit der Tendenz zur Ausschließlichkeit. Jenen Menschen gegenüber, denen er sein Herz zu schenken geruht, ist er ein äußerst liebevoller und anschmiegsamer Gefährte, der eine sehr innige Beziehung zu seinem Besitzer beziehungsweise seiner Familie eingeht. Azawakhs können in ihren Wesenzügen sehr unterschiedlich sein. Die Spannbreite reicht von extrem misstrauischen ("scheuen") Exemplaren über neutral-zurückhaltende oder gleichmütige Charaktere, die nicht leicht aus der Fassung zu bringen sind, bis hin zu ausgesprochen freundlichen, extrovertierten Individuen, die allen Menschen überschwänglich zugetan sind. Generell ist der Azawakh ein Hund, der für die Kommunikation mit und die Prägung durch seine(n) Menschen sehr offen, das heißt in mannigfacher Richtung formbar ist. Ein Azawakh widerspiegelt sehr deutlich, neben seinen angeborenen Veranlagungen, die Sorgfalt und Zuwendung, Fähigkeiten und Kenntnisse, die der Züchter, vor allem aber der Besitzer, eingebracht hat. Es versteht sich von selbst, dass eine frühzeitige Sozialisation mit möglichst vielen fremden Menschen und neuen Situationen bei dieser Rasse ein Muss ist, wenn das Zusammenleben in unserer modernen Zivilisation für Mensch und Hund zufriedenstellend verlaufen soll.
Was von vielen Azawakh-Haltern, besonders solchen, die aus dem Windhund-Lager kommen, oft verkannt wird, ist die Tatsache, daß diese Rasse über ein stark ausgeprägtes Territorialverhalten und ein gehöriges Maß an Verteidigungsbereitschaft verfügt, ohne jedoch dabei aggressiv zu sein. Diese Eigenschaften machen sich primär innerhalb des eigenen Territoriums bemerkbar und tragen eher defensive Züge. Man muß sich bewußt machen, daß diese Hunde in erster Linie Wach- und - ziemlich unüblich aussehende - "Herdenschutzhunde" waren und sind und erst in zweiter Linie Windhunde, die gelegentlich zur Hetzjagd eingesetzt wurden. Das ist der Grund, weshalb sie eigentlich auch besser zu Leuten passen, die das Zusammenleben mit eigenständigen Arbeitshunden, wie zum Beispiel Hirtenhunden, gewohnt sind. Azawakhs sind schlau, einfallsreich und selbständig genug, selber das Regiment zu übernehmen, wenn man sie nicht von klein auf mit sehr konsequenter Beharrlichkeit, gleichzeitig aber ohne Härte und Drill, erzieht und ihnen zeigt, was sie tun dürfen und was nicht. Ihre ausgeprägte Expansionstendenz und Selbständigkeit erfordert Hundeverstand und Durchsetzungsvermögen, neben Geduld und Feingefühl. In kundigen, fähigen, einfühlsamen Händen lassen sie sich überraschend gut erziehen und ausbilden und zeigen sich sogar oftmals ausgesprochen lernfreudig. Sie können durchaus lernen, sich ohne Leine in der Öffentlichkeit zu bewegen und dabei, auch bei hohen Ablenkungsreizen, zuverlässig zu gehorchen. Mehrere Azawakhs haben bewiesen, daß sie Begleithundeprüfungen mit Bravour bestehen können und sogar imstande sind, in manchen HundesportDisziplinen (zum Beispiel Agility) ein gutes Bild abzugeben. Das ist für einen Nomadenhund, der vor einem Vierteljahrhundert erstmals aus fernen Wüstengegenden in unser hochtechnisiertes Zivilisationsumfeld kam, doch eine recht respektable Leistung!
Azawakhs haben, neben einem unterschiedlich stark ausgeprägten Hetztrieb, ein natürliches Lauf- und Beschäftigungsbedürfnis, dem unbedingt Rechnung getragen werden muß - entweder durch täglichen kontrollierten Freilauf, zum Beispiel neben dem Rad oder Pferd, oder durch entsprechendes Rennbahn-Training sowie durch gemeinsames "Arbeiten" mit dem Besitzer.
Mit ihrem kurzen Fell sind sie absolut pflegeleicht und - falls nicht zu stark ingezüchtet - gesund und langlebig.
Entsprechende Sozialisation vorausgesetzt, können Azawakhs sowohl mit Kindern als auch mit Hunden anderer Rassen sowie anderen Haustieren friedlich zusammenleben.
Zukunft des Azawakh
Als Jagdgefährte der unabhängigen Reiterstämme und Wächter ihrer Wanderherden ist die Rasse einst entstanden. Jahrhundertelang, vermutlich Jahrtausendelang hat sie diese, ihre angestammte Aufgabe perfekt erfüllt - und unter ständig schlechter werdenden Bedingungen für Mensch und Tier tut sie dies teilweise auch heute noch. Ihre Heimat, die ehemals reiche und mächtige Region des Sahel, ist heute von fortschreitender Zerstörung und Armut geprägt. Materiell zählen die Sahel Staaten zu den ärmsten Ländern der Erde. Das Überleben der Nomaden-Windhunde ist auf Grund der politischen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen in deren Heimatländern gefährdet. Die verheerenden Dürrekatastrophen der siebziger und achtziger Jahre haben ihre Bestände - ebenso wie die der Kamele, Schafe, Ziegen und Rinder - stark gelichtet. Da ihr Fortbestand im Prinzip nur in einer intakten Nomadengesellschaft gesichert ist, muss man mit weiteren Rückgängen der Populationen im Sahel rechnen. Um den Bestand reinblütiger Nomadenhunde zu sichern und zu fördern, wurde im Jahr 1993 die Vereinigung A.B.I.S. (Association Burkinabe Idi du Sahel) gegründet. Sie sammelt Gelder, um in den Heimatländern der Azawakhs konkrete Projekte zu finanzieren, so unter anderem seit 1999 eine alljährliche flächendeckende Impfkampagne für 500 Hunde im Department Tin Akoff/Burkina Faso.
In der Vergangenheit war in der europäischen Azawakh Zucht zunehmend die Tendenz zu beobachten, den Azawakh zu einem filigranen, hochstilisierten Extrem - einer Art riesigem, überfeinertem Windspiel für den Showring- heranzuzüchten. Diese "Mode" ging mit allen damit verbundenen Nachteilen anatomischer, bewegungsmäßiger und charakterlicher Art einher: einem verkürzten Rücken, einem extrem nach oben getragenen Hals, wodurch diese I3unde in der Bewegung teilweise sehr kurztrittig, "steppend", wirkten. Infolge der übertriebenen Zartheit der Knochen ließ auch die Gelenkstabilität nach, wodurch viele Azawakhs französisch beziehungsweise kuhhessig standen. Die Köpfe vieler Rüden wirkten eher hündinnenhaft. Die Unterkiefer waren bei vielen Hunden zu schwach ausgebildet. In Unkenntnis der ursprünglichen Arbeitsverwendung der Hunde bei den Nomaden neigten auch die Richter zur Bevorzugung eines übertrieben eleganten Typs, wie er im Sahel niemals hätte überleben können. Leider blieb auch der Charakter nicht untangiert: neben ursprünglichen, defensiv vornehm-zurückhaltenden Hunden traf man zunehmend mehr aggressiv kläffende Exemplare oder solche, die man als Angstbeißer bezeichnen musste - Eigenschaften, die dem Ruf der Rasse auf längere Sicht besonders abträglich waren.
Aus diesen Fehlern der Vergangenheit hat man jedoch inzwischen gelernt. Verantwortungsvolle Azawakh-Züchter, die sich dem Ursprungstyp der Rasse verpflichtet fühlen, haben in den vergangenen vierzehn Jahren wiederholt gute bis sehr gute und typische Hunde aus den Ursprungsregionen importiert und mit diesen eine neue" afrikanische Zuchtlinie" aufgebaut, die in hervorragender Weise den autochthonen "Tuareg-Windhund" des Sahel repräsentiert. Erfreulicherweise zeichnen sich die Importhunde und ihre Nachkommen oft durch korrektere Brust und Schulterpartie mit starker Front, geradwüchsige, stabile Vorderläufe mit rassetypischer Schiffsbug-Unterlinie und, damit direkt zusammen hängend, ein weit ausgreifendes, nicht steppendes, Gangwerk aus. Trotz des erheblich variierenden Erscheinungsbildes, was Farbe, Zeichnung und Widerristhöhe anbetrifft, stellen diese Hunde ein unschätzbar wertvolles Reservoir für den Fortbestand der Rasse in Europa dar. Zudem zeichnen sie sich in der Regel durch ein nervenstarkes und friedliches Wesen mit ausgesprochener Menschenbindung und sogar Arbeitsbereitschaft (!) aus, welches bisher noch von den wenigsten Besitzern entsprechend gewürdigt und gefördert wird.
Es bleibt zu hoffen, dass dieser hoffnungsvolle Umschwung in der Zucht dieses traumschönen Sahel-Nomadenhundes weiter Früchte trägt und immer weitere Kreise der europäischen Azawakh-Zucht erfasst und überzeugt. Denn als uralte autochthone Haustierrasse stellt der Azawakh ein unwiederbringliches Kulturgut seiner sahelischen Heimat dar, welches es unbedingt zu bewahren gilt.
Zur Zeit leben zirka 200 Azawakhs inklusive Importen in Europa. 


Steckbrief: Azawakh
Ursprungsland: Mali/F
Verbreitung: Äußerst gering.
Rassegruppe: 10: Windhunde FCI-Nr. 307
Heutige Verwendung: Familien- und Begleithund
Erziehung: Mit Geduld, Konsequenz und viel Selbstbeherrschung erziehbar. Drill und rauher Umgangston verunsichern diese Hunde sehr. Positive Bestätigung und Belohnung kommen ihrem Wesen eher entgegen.
Wesen: Reserviert, Fremden gegenüber eher zurückhaltend. Der sehr unabhängige Charakter eines orientalischen Windhundes lässt die Hunde selbst "entscheiden", ob eine Anordnung des Besitzers momentan sinnvoll erscheint. Im Freilaufgebiet den Hetztrieb der Rasse bedenken.
Verträglichkeit: Bei entsprechender Sozialisierung verträgt sich der Azawakh auch mit Kindern und Hunden anderer Rassen,
Fütterung und Pflege: Hochwertiges Trockenfutter mit geringem Fett und niedrigem Proteingehalt unter 25%. Zweimal täglich füttern. Mehrmals in der Woche Reis oder auch Hirse mit Gemüse und rohem Fleisch. Das kurze Fell ist sehr pflegeleicht.
Bewegung: Tägliche Spaziergänge möglichst mit Freilauf sind außerordentlich wichtig. Ausführen an der Leine genügt nicht. Nutzung einer Windhundrennbahn oder Teilnahme an einem Coursing empfehlenswert.
Gesundheit und Lebenserwartung: Hohe Lebenserwartung (12 bis 13 Jahre)
Keine Erbkrankheiten bekannt.
Größe: Rüde 64-74, Hündin 60-70 cm
Welpenpreis: Euro 1000
Kontaktadresse:
Deutscher Windhundzucht- und Rennverband e.V. (DWZRV)
Geschäftsstelle,
Telefon: 0 5129/89 19,
ABIS informiert über Entwicklungen und Lebensverhältnisse dort, organisiert Expeditionen und berät beim Import von Azawakhs aus den Ursprungsregionen, die das Genpotential der teilweise mit recht hohen Inzuchtkoeffizienten und Ahnenverlusten belasteten europäischen Populationen erweitern helfen und auffrischen sollen (www.azawakhs.de).