Der Azawakh und "seine" Menschen - alles eine Frage der Kommunikation.......
von Elisabeth Naumann
Die Sprache des Menschen
Kommunikation leitet sich vom lateinischen Wort communicare ab, das verbinden bedeutet. Diese Verbindung zwischen Meschen und Hunden ist die Basis ihres Zusammenlebens. Der Azawakh akzeptiert seinen Menschen nur als Rudelführer, wenn dieser auch Chefqualitäten zeigt, nämlich Souveränität, Klarheit, Konsequenz und Ruhe. Der Azawakh braucht zur Kommunikation Körpersprache, Gestik und das gesprochene Wort. Was der Azawakh nicht braucht sind Härte, Ungeduld, Hektik, Druck und Vermenschlichung.
Der Azawakh ist von Lernerfahrungen abhängig, die er nicht auf zwischenmenschliche Art, sondern nach den Kommunikationsmöglichkeiten des Hundes begreifen kann. Er beobachtet den Menschen und lernt dabei auch schnell, wie er dessen Unerfahrenheit und jede kleine Schwäche für sich ausnützen kann - und zwar mit aller Konsequenz. Der Azawakh muß in kleinen Schritten erkennen, was er tun soll, um das zu erreichen, was der Chef von ihm erwartet. Ohne Kommunikation kann die Gemeinschaft Mensch - Hund nicht funktionieren. Die Kommunikation ist gerade für einen >Primärhund< wie der Azawakh Grundbedürfnis und Überlebensnotwendigkeit.
Verbale und nonverbale Kommunikation
Menschen nehmen auf verschiedene Arten Kontakt auf. Die wichtigsten sind verbale und nonverbale Kommunikation. Verbale Kommunikation ist sprachgebundene Kommunikation, wobei diese Sprache aus Worten, Zeichen oder sonstigen Informationsträgern besteht. Gleichgültig, ob ein Mensch schreibt oder spricht, jede Äußerung in Worten oder Zeichen ist ein komplexer Vorgang, der sich auf verschiedenen Ebenen vollzieht. Bei jeder Äußerung laufen motorische (Sprechen, Schreiben) und sensorische Vorgänge (Wahrnehmen, Verstehen, Beobachten) gleichzeitig ab. Nonverbale Kommunikation ist eine nicht an Sprache gebundene Verständigung. Wichtigster Teil der nonverbale Kommunikation ist die Körpersprache, die sich in Körperhaltung, Mimik und Gestik ausdrückt und visuell wahrgenommen wird. Normalerweise erläutert oder verstärkt Körpersprache das gesprochene Wort. Ein wichtiger Unterschied zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation besteht darin, dass der Mensch seine Worte besser kontrollieren kann als seine Körpersprache. Daher ist es im Umgang mit Hunden unerlässlich, sich über seine eigene Körpersprache klar zu werden.
Körpersprache
Körpersprache dient nicht allein der Kommunikation. Viele Signale werden nicht ausgesendet, damit jemand darauf reagiert, sondern drücken eine Befindlichkeit aus. Im Gegensatz zur Sprache wird die Körpersprache nicht nur erlernt, sondern ist zum Teil angeboren und zum anderen Teil durch Nachahmung entstanden. Körpersprache, die der Kommunikation dient, lässt sich in Körperhaltung, Gestik und Mimik aufteilen.
Körperhaltung
1.) Die offene Körperhaltung: Der Körper ist entspannt, die Arme sind geöffnet, die Beine stehen locker und breit am Boden. Es gibt keinen Anlass, sich schützen zu müssen. Offene Körperhaltung kann Zufriedenheit, Sicherheit, Souveränität und Lässigkeit ausdrücken.
2.) Die geschlossene Körperhaltung: der Körper ist gespannt, die Arme sind nahe am Körper, der Kopf ist meist gesenkt. Die geschlossene Körperhaltung drückt Aggression oder Fluchtbedürfnis aus. Aggression zeigt sich im breiten, aber nicht lockeren Aufstellen der Beine und einer angespannten Haltung. Flucht bedeutet Angespanntsein und Davonlaufen. Da der Mensch in der Regel vor einer unangenehmen Situation nicht davonlaufen kann, kommt es zu Ersatzreaktionen. Er versucht sich zu verstecken - der Körper zieht sich zusammen, die Augen irren umher, es gibt keinen Blickkontakt.
Oder er sucht Hilfe - der Körper bleibt zusammengezogen, der Blick wandert seitlich. Schließich signalisiert er Unterwerfung - der Körper fällt zusammen, die Arme hängen herunter. Zur Körperhaltung und Gestik kommen bei der nonverbalen Kommunikation der Gesichtsausdruck(Mimik) hinzu. Mit ca. 20 Gesichtsmuskeln können Menschen viele verschiedene Gefühle ausdrücken. Am auffälligsten sind dabei die Augen.
Weil nonverbale Signale meistens unbewusst ausgesendet werden, wird mit ihnen kaum gelogen.
Gestik
Unter Gestik versteht man die Gesamtheit aller Körperbewegungen, in erster Linie der Arme und Hände. In der normalen Kommunikation ist Gestik ein wichtiger Bestandteil, um die verbale Aussage zu untermauern. Der Gebrauch von Gestik ist stark von Persönlichkeit, Temperament und Selbstbewusstsein sowie vom Kulturkreis abhängig. Extrovertierte, offene Menschen verwenden häufiger ausdrucksstarke Gesten als introvertierte, in sich gekehrte Menschen.
Gestik in der Hundehaltung bedarf einer genauen Kenntnis, weil wir über Gestik mit den Hund kommunizieren können. Unruhige Gestik z.B. macht den Hund nervös und er versteht dann nicht was wir von ihm wollen. Wenn wir aber kein Handzeichen oder ein sonstiges körpersprachliches Signal gibt, kann man auf den Hund einreden, so viel man will - er versteht uns durch das Wort allein nur dann, wenn der rein akustische Befehl durch anderweitige Verständigung bereits stark ritualisiert ist.
Die Sprache des Hundes
Der Hund verständigt sich einerseits durch Ausdrucksverhalten, also durch nonverbale Kommunikation. Sie kann optisch, olfaktorisch, taktil und akustisch sein. Unsere Aufgabe ist es, dieses Ausdrucksverhalten wahrzunehmen und richtig zu deuten.
Optische Kommunikation
Das neutrale Ausdrucksverhalten des Azawakhs ist lebhaft, aufmerksam und distanziert, was mitunter sogar arrogant wirken mag. Die Rute ist bei einem entspannten Azawakh leicht gebogen, die Ohren hängen herab, der Augenausdruck ist sanft aber lebhaft. Seine Selbstsicherheit drückt sich in Lockerheit und Trittsicherheit aus, das Gesicht ist freundlich bis neutral. Bei Aggression, Unsicherheit und/oder Erregung sträubt sich das Haar angefangen bei der Halswirbelsäule und der Schwanzwurzel bis über den ganzen Rücken. Die gesamte Körperhaltung erscheint je nach Situation größer oder kleiner. Bei Unsicherheit straffen sich Gesicht- und Kopfhaut (beim Menschen entspricht dies den Verlegensheitsgrinsen), die Ohren sind zurückgelegt, der Kopf ist gesenkt. Die Extremitäten wirken eingeknickt, der Schwanz wird niedrig getragen. Die Unsicherheitssignale können sogar soweit gehen, dass die Rute parallel zur Unterlinie "eingekniffen" ist.
Das Imponiergehabe als Gegenteil darf nicht mit Drohen verwechselt werden und muss auch keine Vorstufe dazu sein. Selbstsichere Azawakhs imponieren nur bei Geschlechtsgenossen, nie aber beim anderen Geschlecht. Die Gelenke sind dabei durchgedrückt, der Schwanz weist nach oben und kann leicht wedeln. (Mitunter erscheint das im Richterbericht: Recht lustig getragene Rute) Hals und Kopf sind erhoben, die Ohren nach vorne gerichtet und der Blick ist von anderen Hund abgewandt. Scharren mit den Hinterläufen oder mit allen vier Pfoten, das Auflegen des Kopfes auf den Rücken des anderen Hundes und steifbeiniges Laufen im Kreis sind weitere Komponenten des Imponierverhalten. Bei der sogenannten T-Stellung kreuzt der dominante Hund den Weg des anderen. Das Imponiergehabe soll Überlegenheit und Territorialansprüche zeigen. Letzteres sind beim Azawakh besonders stark vorhanden, da er von seiner Herkunft ein Lagerhund ist. Der Konkurrent kann ebenfalls Imponiersignale aussenden, aggressiv werden oder zum Drohen übergehen. Hier spätestens sollte der Mensch eingreifen.
Auch das Drohverhalten des Azawakhs ist stark ritualisiert. Bei offensivem Drohverhalten sträuben sich die Haare vom Nackenbereich und vom Schwanz aus über die gesamte Rückenmittellinie. Der Kopf ist gesenkt und in einer Linie mit dem Rücken , der Azawakh nimmt Blickkontakt mit dem Gegner auf und zieht die Lefzen im vorderen Schnauzenbereich nach oben, wodurch runde Mundwinkel entstehen. Naserunzeln, runde Augen, starrer Blick, nach oben und nach vorn gestellte Ohren sind weitere Signale des offensiven Drohverhaltens.
Beim defensivem Drohverhalten ist das Haar ebenfalls aufgestellt, der Körper erscheint eingeknickt, der Schwanz ist angelegt und die Ohren fest nach hinten an den Kopf gedrückt, die Zähne gefletscht, die Mundwinkeln lang und spitz zurückgezogen. Zunehmendes Nasenrückenrunzeln und das Öffnen des Fangs zeigen die Bereitschaft zum Kampf. Je größer die Fangöffnung, umso bereiter ist der Hund, zuzubeißen
Die passive Unterwerfung ist eine Reaktion des Azawakhs auf Disziplinierung oder Tadel. Sie soll die Integration in die soziale Gruppe (das Rudel oder menschliche Gruppe) bewirken. Blickkontakt wird vermieden, mitunter demonstrative Rückenlage, der Kopf wird weggedreht und auf Körperkontakt verzichtet.
Die aktive Unterwerfung oder das "soziale Grüßen" drückt sich durch hohe Bewegungsaktivität aus. Die Körperhaltung ist niedrig und geduckt, teilweise mit Rundrücken (Vorderkörper tief, Hinterteil hoch, die sog. Spielstellung) Der Hund zeigt übertriebene spielerische Ansätze, die durch Fiepen und teilweise durch Augenkontakt mit Blinzeln unterstützt werden. Der Azawakh leckt seine Mundwinkel, was bei passiver Unterwerfung niemals geschieht.
Die olfaktorische Kommunikation
Die Verständigung über den Geruch ist im einzelnen noch kaum erforscht. Am Geruchsgesicht dem individuellen Geruch des Hundes, erkennen sich Rüde und Hündin. Das eigenen Territorium wird durch Geruchsmarken abgesteckt, das gemeinsame Markieren zeigt an, dass man zur gleichen Meute gehört. Das Urinieren von Rüden auf Artgenossen oder Menschen ist vermutlich eine symbolische Besitzergreifung. Das Wälzen zeigt dem Meutegenossen, dass an dieser Stelle Geruchsspuren von Beute oder Aas gefunden worden sind.
Die taktile Kommunikation
Die Verständigung durch Berührung ist in der Fachliteratur nur bei Feddersen und Ziemen erwähnt, die dabei zwischen distanzvermindernde und distanzvergrößernde Kommunikation unterscheiden. Zur taktilen Verständigung gehören Hüftschwung, Rempeln, der Schnauzengriff und das Anstoßen, jeweils angedeutet, leicht oder kräftig, des weiteren Pflegeverhalten wie Lecken, Knabbern, Stubsen, Schnauzenkontakte sowie Werbe- und Paarungsverhalten
Die akustische Kommunikation
Sie umfasst nach Feddersen das Bellen (Spielen, Begrüßung, Kontaktaufnahme, Verteidigung, Drohlaut, Unbehagen), das Winseln (Laut des Unwohlseins, bei einem erwachsenen Hund auf Grund sozialer Isolation und psychischer Verstimmung), das Jaulen (in der Regel bei Verlassensein) das Schreien und Kreischen (ausgelöst durch Situationen, die an frühere Schmerzerfahrung erinnern), das ebenfalls stark situationsbezogene Wuffen und das Fiepen bei leichter Erregung, das Knurren bei Angriff oder Spiel und das Heulen, das Gemeinschaftsgefühl, aber auch das Gefühl des Verlassensseins ausdrückt und mit der Rangordnung innerhalb der Gruppe in Verbindung stehen kann.
Beruhigungs- und Beschwichtigungsignale
Wichtig für das Verständnis unserer Hunde sind ihre Beruhigungs- und Beschwichtigungssignale (vgl. Turid Rugaas). Diese sog. Calmingsignale sollen Angst und Unruhezustände aufheben und Vertrauen und Sicherheit schaffen. Sie helfen den Hunden, sich untereinander zu arrangieren, und müssen auch vom Menschen klar erkannt und entsprechend berücksichtigt werden. Calmingsignale sind für den Hund so etwa wie eine Lebensversicherung. Es sind ungefähr 30 Beschwichtigungssignale bekannt. Zu den wichtigsten gehören: Wegschauen - den Blick abwenden - schnelle oder langsame Bewegung des Kopfes, manchmal nur der Augen - den Blick verkürzen - Augenlider senken, blinzeln - sich abwenden - Kopf oder Körper wegdrehen - Nase lecken - Gähnen, teilweise mit der entsprechenden Lautäußerung - Hinlegen oder Hinsetzen - langsam gehen bis zum Stehenbleiben - Kurven- und Schlangenlinien - Splitting: sich zwischen anderen Hunden oder Menschen schieben, um mögliche Konflikte zu verhindern - am Boden schnüffeln oder das Gegenüber ignorieren - mit dem Schwanz wedeln - Pfote heben usw.
Beruhigungssignale, die der Hund zur Konfliktvermeidung benutzt, können auch vom Menschen angewendet werden, z.B. Wegsehen, Abwenden, Blinzeln usw.
Die Kommunikation ist der Schlüssel zum Team Mensch - Azawakh. Unsere besondere Aufmerksamkeit beim dauernden Umgang mit unseren Hunden und bei der Aufzucht von Welpen gilt der intensiven Kommunikation. Dies geschieht bei "kommunikativen Spaziergängen" ebenso wie beim gemeinsamen Arbeiten auf unserem Auslaufgelände und im ganz alltäglichen Zusammenleben in Haus und Garten. Spiel und Spaß, also erfolgsorientierte Betätigung und lustbetonte Erfahrung, sind für unsere Azawakhs ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation, des Lernens und der psychischen und physischen Stabilität.